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Jahresbericht 2025: Verantwortung für eine tragfähige Gesundheitsversorgung

Insgesamt mehr als 400.000 Gutachten und Stellungnahmen, ein Höchststand an Aufträgen in der Pflegebegutachtung und der Start der Krankenhausreform in Hamburg und Schleswig-Holstein: In seinem aktuellen Jahresbericht mit dem Titel „Einer für alle“ blickt der Medizinische Dienst Nord (MD Nord) auf ein bewegtes Jahr 2025 zurück, das politisch angesichts wachsender Finanzierungslücken in der gesetzlichen Krankenversicherung sowie der sozialen Pflegeversicherung stark von Strukturdebatten über die Zukunft des Gesundheitswesens geprägt war.

‚Einer für alle‘ steht stellvertretend für unseren Anspruch, Entscheidungen nicht nur im Einzelfall, sondern im Kontext des gesamten Gesundheitssystems zu treffen. Wir wollen zeigen, wo wir im System stehen: Genau in der Mitte zwischen Versicherten, Kassen und Leistungserbringern. Wir begutachten unabhängig und übernehmen mit unseren Empfehlungen jeden Tag aufs Neue Verantwortung für eine solidarische Gesundheitsversorgung, die den einzelnen Menschen im Blick behält und gleichzeitig für alle funktioniert“, erklärt Helge Neuwerk, Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Dienstes Nord. „Wir leisten unseren Beitrag dafür, dass die Mittel der Solidargemeinschaft zielgerichtet eingesetzt werden.“

Mit seinem Jahresbericht will der MD Nord auf rund 60 Seiten Einblicke in seine Arbeit geben und darüber hinaus einen Fokus auf die Menschen legen, die die Empfehlungen des Dienstes verantworten. In persönlichen Porträts geben fünf der 725 Mitarbeitenden deshalb Einblicke in ihren Arbeitsalltag und Werdegang – darunter ein ehemaliger Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, die deutschlandweit einzige Hörakustik-Meisterin bei einem Medizinischen Dienst, zwei Schwestern, die seit 2025 in der Abteilung Service des MD Nord arbeiten, sowie eine ärztliche Pflegegutachterin, die nach einer Karriere in Wissenschaft und Krankenhaus den Wechsel zum Medizinischen Dienst wagte. 

Eine Einordnung zum Strukturwandel im Gesundheitswesen nimmt im Rahmen eines Gastinterviews Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jonas Schreyögg vor, der als stellvertretender Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen sowie Mitglied der GKV-Finanzkommission die Bundesregierung in zentralen Reformfragen berät. Er sieht im Medizinischen Dienst ein wichtiges Regulativ für das Gesundheitssystem.

Pflegebegutachtung: steigende Fallzahlen und wachsender Aufwand

Ein zentraler Bestandteil der Arbeit des MD Nord bleibt die Begutachtung in der Pflegeversicherung. Insgesamt bearbeitete die Abteilung Pflegeversicherung im Jahr 2025 rund 202.000 Gutachten und Stellungnahmen – 7.000 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der abschließend bearbeiteten Pflegegutachten stieg um rund 8.400, das entspricht einem Plus von 4,5 Prozent. Gleichzeitig wird die Organisation der Begutachtung anspruchsvoller. Enge Zeitfenster, kurzfristige Terminänderungen sowie steigende Anforderungen an Dokumentation und Koordination prägen den Arbeitsalltag. Hausbesuche und strukturierte Telefoninterviews folgen klar definierten Abläufen, um eine einheitliche und rechtssichere Bewertung sicherzustellen. Auch die Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen bleiben ein wichtiger Bestandteil der Arbeit: 2025 führte der MD Nord 1.302 Prüfungen im ambulanten und stationären Bereich durch.

Parallel dazu verändern gesetzliche Neuerungen die Rahmenbedingungen der Pflegebegutachtung. Mit dem Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) sollen ab 2026 Verfahren vereinfacht und Pflegefachpersonen stärker eingebunden werden. Der MD Nord sieht darin Chancen für effizientere Abläufe, betont gleichzeitig jedoch die Bedeutung eindeutiger Strukturen: Die Feststellung von Pflegebedürftigkeit muss auch weiterhin fachlich fundiert und unabhängig organisiert bleiben.

Krankenhausreform: neue Aufgaben und veränderte Perspektive

Seit Dezember 2025 prüft der MD Nord im Auftrag der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein die Voraussetzungen für die sogenannten Leistungsgruppen, die künftig die Basis der Krankenhausfinanzierung bilden sollen. Bis zum 31. Juli sind insgesamt rund 1.500 Prüfungen an 94 Krankenhausstandorten vorgesehen. 

„Die Reform führt zu einer stärkeren Ausrichtung der Krankenhäuser auf nachweisbare Qualitätskriterien und hat damit das Potenzial, die Krankenhauslandschaft deutlich zu verändern“, erklärt Dr. Andreas Krokotsch, Leitender Arzt und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des MD Nord. „Als fachlich unabhängiger Prüfdienst stellen wir sicher, dass die festgelegten Qualitätsanforderungen transparent bewertet werden. Auch wenn der Gesetzgeber mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) mitten in den laufenden Prüfungen noch einmal Änderungen vorgenommen hat, werden wir die Leistungsgruppengutachten fristgerecht fertigstellen. Unsere Empfehlungen werden ab Sommer die Grundlage für die Krankenhausplanung der Länder bilden.“

Inhalte aus allen Bereichen der Gesundheitsversorgung

Darüber hinaus setzt der Bericht Schwerpunkte bei den Themen: Externe Qualitätssicherung im Krankenhaus, Begutachtung von Schwerhörigkeit, Rahmenbedingungen der Arzneimittelbegutachtung, Einblicke in das Beschwerdemanagement, das Kompetenz-Centrum Geriatrie als Referenzeinheit der Altersmedizin aller Medizinischen Dienste sowie den MD Nord als Arbeitgeber. Ausgewählte Inhalte des Jahresberichtes 2025 sowie das vollständige PDF des Berichts können Sie hier aufrufen.

Der Medizinische Dienst Nord

Der Medizinische Dienst Nord ist der unabhängige Prüfdienst für Gesundheit und Pflege in Norddeutschland. Rund 725 Mitarbeitende engagieren sich an den Beratungs- und Begutachtungszentren in Hamburg, Kiel und Lübeck sowie den Beratungsstellen in Pinneberg und Flensburg für Qualität im Gesundheitswesen. Als unabhängiger und objektiver Gutachter übernimmt der Medizinische Dienst Verantwortung bei der Ermittlung von Pflegegraden, der Bewertung von Krankenhausstrukturen oder bei Prüfungen in der ambulanten Versorgung. Das Ziel: Eine gute und gerechte Gesundheitsversorgung für alle Versicherten in Hamburg und Schleswig-Holstein.

 

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