„Geriatrische Patient:innen sind besonders fragil. Selbst gut behandelbare medizinische Probleme können bei ihnen eine zuvor stabile Lebensführung rasch destabilisieren und Selbstversorgung sowie soziale Teilhabe gefährden. Eine stationäre geriatrische Reha mit multiprofessionellen Teams kann maßgeblich darüber entscheiden, ob ein Mensch beispielsweise nach einem belastenden stationären Aufenthalt wieder in einen selbstständigen Alltag zurückfindet oder dauerhaft auf Pflege angewiesen ist“, erläutert Dr. Frank Hofschulte, Altersmediziner und Leiter des Kompetenz-Centrums Geriatrie der Medizinischen Dienste, das in Hamburg ansässig ist. „In der Begutachtungspraxis der Medizinischen Dienste sehen wir immer wieder, dass Menschen mit klarem Rehabilitationspotenzial in die ambulante oder stationäre Pflege entlassen werden müssen, weil weiterführende Reha-Angebote im stationären Bereich fehlen. Das ist für mich als Arzt nur schwer zu akzeptieren, denn stationäre Reha-Angebote sind in der Geriatrie medizinisch sinnvoll, wirtschaftlich vernünftig und zukunftsfähig. Sofern kein akuter Anlass für eine Krankenhausbehandlung besteht, ist die stationäre Behandlung in einer geriatrischen Rehabilitationseinrichtung auch unter präventiven Gesichtspunkten eine besonders geeignete Versorgungsoption. Prävention ist entscheidend, um Selbstständigkeit zu erhalten, Widerstandsfähigkeit zu stärken und funktionelle Verschlechterungen zu vermeiden. Die Hamburger Initiative schließt eine echte Versorgungslücke und komplettiert die bereits breit aufgestellte Krankenhausgeriatrie in der Hansestadt. Insofern hoffe ich sehr, dass weitere Bundesländer dem Beispiel Hamburgs folgen.“
KCG: Fachliche Referenzstelle und Impulsgeber
Das KCG ist eine Gemeinschaftseinrichtung aller Medizinischen Dienste (MD) mit Sitz in Hamburg und bundesweiter Zuständigkeit. Es ist die Referenzstelle für geriatrische Fragestellungen innerhalb der Gemeinschaft der MD. Das KCG unterstützt bei komplexen Begutachtungen und sorgt für eine einheitliche und qualitätsgesicherte Begutachtungspraxis. Darüber hinaus begleitet das KCG bereits etablierte sowie neue Versorgungsmodelle konzeptionell. Ebenso steht es in kontinuierlichem fachlichem Austausch mit weiteren Akteuren der geriatrischen Versorgung. Angesichts einer wachsenden Zahl hochaltriger und multimorbider Patientinnen und Patienten gewinnt die strukturierte Qualitätssicherung in der geriatrischen Versorgung zunehmend an Bedeutung. Zugleich setzt sich das KCG für eine bedarfsgerechte, evidenzbasierte und zukunftsfähige Weiterentwicklung der Versorgung älterer Menschen ein. Weitere Informationen unter www.kcgeriatrie.de.