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Alternative Begutachtungsformen erforderlich

Dramatisch steigende Antragszahlen gefährden die Pflegebegutachtung. Immer mehr Menschen im Norden stellen Anträge auf Pflegeleistungen. Um auch weiterhin eine schnellstmögliche, gute pflegerische Versorgung zu sichern, setzt sich der Medizinische Dienst Nord für eine Flexibilisierung der Begutachtungsformen ein. Voraussetzung für den Leistungsbezug ist die Pflegebegutachtung beim Medizinischen Dienst, der die Pflegebedürftigkeit des Versicherten feststellt und eine Empfehlung zu den fünf Pflegegraden abgibt. „Damit für die Versicherten auch in Zukunft eine zeitnahe Pflegebegutachtung sichergestellt ist, brauchen wir neben dem Hausbesuch flexible Begutachtungsformate wie zum Beispiel das Telefoninterview“, sagt Dr. Bernhard van Treeck, Leitender Arzt des Medizinischen Dienstes Nord.

Die Begutachtungen zur Pflegebedürftigkeit erfolgen beim Medizinischen Dienst Nord durch qualifizierte Pflegefachkräfte, zu einem geringeren Teil durch Ärzte. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl dieser Begutachtungen um mehr als 27 Prozent gestiegen. Allein im Jahr 2022 erfolgten 90.600 persönliche Begutachtungen. Auch im Januar und Februar dieses Jahres setzt sich der Trend im Vergleich zu den Vorjahresmonaten mit Antragssteigerungen von rund 20 Prozent ungebremst fort. Die Gutachterinnen und Gutachter des Medizinischen Dienstes Nord stellen sich dieser Herausforderung der weiter stark steigenden Anzahl von Anträgen. Ziel ist es, den Versicherten schnellstmöglich den Zugang zu Pflegeleistungen ermöglichen.

Positive Erfahrungen aus der Pandemie nutzen, Versicherte zeitnah unterstützen

„Für eine zeitnahe Pflegebegutachtung braucht es allerdings neben der Begutachtung im Hausbesuch weitere Begutachtungsformate wie zum Beispiel das Telefoninterview“, sagt Dr. Bernhard van Treeck, „auch weil der Fachkräftemangel insbesondere in der Pflege den Medizinischen Dienst Nord erreicht hat. Nur wer neue Wege auch mit einer digitalen Begutachtung geht, kann in Zukunft eine gute pflegerische Versorgung sichern.“

Die Erfahrungen der Begutachtungen durch strukturierte Telefoninterviews während der vergangenen drei Jahre der Pandemie haben belegt, dass diese eine gleichwertige Alternative zu den bekannten Hausbesuchen sein können. Das habe sich auch in den sehr guten Ergebnissen der jährlichen Versichertenbefragung gezeigt, die im Vergleich zu denen nach Hausbesuchen sogar tendenziell gering besser gewesen seien, so Dr. van Treeck. „Die telefongestützte Begutachtung ist besonders geeignet, wenn Krankheiten mit erkennbar rasch fortschreitendem Unterstützungsbedarf vorliegen. Dies ist bei Demenzerkrankungen oder Krebsleiden häufiger der Fall.“ Er sieht darin die Möglichkeit einer zügigen Begutachtung ohne die größere Belastung der Betroffenen durch einen Hausbesuch. „Wir sollten die positiven Erfahrungen aus der Pandemie nutzen, um auch in Zukunft Versicherten schnellstmöglich die ihnen zustehenden Leistungen zukommen zu lassen.“

Qualitativ hochwertige Begutachtung sichern – digitale Formate weiterentwickeln

Im Zeitalter der Digitalisierung haben die Medizinischen Dienste neben dem Telefoninterview das Instrument der Videobegutachtungen in Pflegeeinrichtungen getestet, um deren Potenzial für die Weiterentwicklung der Begutachtungsformate zu untersuchen. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass Videobegutachtungen sehr gut geeignet sind, um ortsungebunden und flexibel qualitativ hochwertige Pflegebegutachtungen zu leisten. „Nach Videobegutachtung ergaben persönliche Begutachtungen derselben Versicherten keine Unterschiede im Ergebnis“, beschreibt Dr. van Treeck die Erfahrungen im Rahmen der ersten Studie. Diese Formate gilt es weiterzuentwickeln. Voraussetzung dafür ist allerdings die Verfügbarkeit einer hohen Bandbreite für die Datenübertragung, die derzeit flächendeckend weder in Pflegeheimen noch in der ambulanten Versorgung vorhanden ist.

Die Akzeptanz aller Beteiligten an der ersten Studie zur Videobegutachtung war groß. Mit ortsungebundenen digitalen Begutachtungen wird es für die Versicherten und deren Angehörigen zukünftig leichter sein, gemeinsam an den Begutachtungen teilzunehmen. Die Gutachterinnen und Gutachter wiederum sparen Fahrzeiten und belasten zusätzlich weniger die Umwelt. Denn allein für die Pflegebegutachtungen des Medizinischen Dienstes Nord werden zurzeit jährlich mehr als 1,4 Millionen Kilometer gefahren.

Über den Medizinischen Dienst Nord

Der Medizinische Dienst Nord ist der unabhängige sozialmedizinische und pflegefachliche Beratungs- und Begutachtungsdienst für mehr als 4,1 Millionen gesetzlich kranken- und pflegeversicherten Personen in Hamburg und Schleswig-Holstein. Im Jahr 2022 haben die mehr 600 Mitarbeitenden des Medizinischen Dienstes Nord – überwiegend Pflegefachkräfte und Ärzte - mehr als 383.000 gutachterliche Stellungnahmen, Empfehlungen und Einzelfallprüfungen im medizinischen und pflegerischen Bereich geleistet. Im Interesse der Versichertengemeinschaft trägt der Medizinische Dienst Nord dazu bei, dass den Versicherten die erforderlichen gesundheitlichen und pflegerischen Leistungen qualitativ hochwertig zukommen.

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Pressekontakt: 
Jan Gömer, Pressesprecher
Telefon 040 25169-1163
Mobil 0151 65429713
jan.goemer(at)md-nord.de
md-nord.de

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